Geschlecht und Innovation
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Biologisches Geschlecht ignorieren

Jahrhundertelang galt der männliche Körper als Norm (vgl. Standards und Referenzmodelle). Weibliche Körper wurden häufig als Abweichung dieser Norm untersucht. Ergebnisse eingeschlechtlicher Studien werden häufig über das jeweils untersuchte biologische Geschlecht hinaus generalisiert.

Forschung und Gestaltung sollten so angelegt werden, dass signifikante Geschlechterdifferenzen ausgewiesen werden.

Beispiel (Naturwissenschaft/Medizin): Diagnosemodelle in Zusammenhang mit Osteoporose wurden traditionell für Frauen entwickelt. Es wurden kaum Kriterien zur Risikoermittlung bei Männern aufgestellt. Neuere Forschungen berücksichtigen den Krankheitsverlauf sowohl bei Frauen als auch bei Männern, indem sie das Risiko anhand geschlechtsspezifischer Referenzmodelle einschätzen (vgl. Fallstudie: Osteoporose-Forschung an Männer/Osteoporosis Research in Men).

Beispiel (Technikwissenschaft): Sicherheitsvorkehrungen, wie etwa Sicherheitsgurte, wurden anfangs so entwickelt, dass sie für den (als Norm geltenden) Mann im 50. Perzentil passten. Unachtsamkeit gegenüber Menschen unterschiedlicher Größe und Gestalt kann zu ungewolltem Schaden führen. Beispielsweise sitzen konventionelle Sicherheitsgurte bei schwangeren Frauen nicht richtig, sodass Kraftfahrzeugunfälle ein Hauptgrund für den unfallbedingten Fetaltod aufgrund eines mütterlichen Traumas sind (vgl. Fallstudie: Schwangere Crashtest-Dummies/Pregnant Crash Test Dummies).