Geschlecht und Innovation
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Weiblichkeiten und Männlichkeiten

Die Begriffe Weiblichkeit und Männlichkeit beschreiben Geschlechtsidentitäten (vgl. Gender). Sie bezeichnen in der Alltagssprache soziale Kategorien, werden allerdings in der Biologie anders verwendet (vgl. unten). Da es sich bei Weiblichkeiten und Männlichkeiten um Geschlechtsidentitäten handelt, sind sie durch soziale Prozesse und nicht durch die Biologie geprägt. Weiblichkeiten und Männlichkeiten sind plural und dynamisch; sie unterscheiden sich je nach Kultur und Individuum.

Folgende Punkte sollten beachtet werden:

  • Weiblichkeiten und Männlichkeiten, wie sie die Alltagssprache kennt, entsprechen nicht dem biologischen Geschlecht. Gewisse Verhaltensweisen und Praxen werden in jeder Kultur als „weiblich“ oder „männlich“ wahrgenommen, und zwar unabhängig davon, ob sie von Frauen oder Männern übernommen werden.
  • Weiblichkeiten und Männlichkeiten sind plural: Es gibt viele Formen von Weiblichkeiten und Männlichkeiten. Die jeweilige Definition von weiblich oder männlich (feminin oder maskulin) variiert je nach Region, Religion, Klasse, nationaler Kultur und anderen sozialen Schlüsselfaktoren. Die Bewertung von Weiblichkeiten und Männlichkeiten variiert kulturell.
  • Jede einzelne Person – Frau oder Mann – integriert viele Formen von Weiblichkeit und Männlichkeit, die sie oder er (bewusst oder unbewusst) je nach Kontext, den Erwartungen Anderer, der Lebensphase und so weiter annimmt. Ein Mann kann beispielsweise eine oft als „weiblich“ stereotypisierte Tätigkeit verrichten, wie die Sorge um einen kranken Elternteil.
  • Kulturelle Vorstellungen „weiblichen“ und „männlichen“ Verhaltens werden zum Teil von Statistiken darüber geprägt, was Frauen und Männer tun. Diese Art der „geschlechtsspezifischen Markierung“ hindert Frauen oder Männer tendenziell daran, einen Beruf zu ergreifen, der im Hinblick auf das jeweilige Geschlecht als „nicht authentisch“ wahrgenommen wird (Faulkner, 2009).
  • Weiblichkeiten und Männlichkeiten sind erlernt. Werbung, Medien, Nachrichten, Unterrichtsmaterialien usw. enthalten Botschaften über „weibliche“ und „männliche“ Verhaltensweisen. Diese Botschaften sind in einer Reihe von Umgebungen gegenwärtig, vom Zuhause über den Arbeitsplatz bis hin zu öffentlichen Räumen.

Im Hinblick auf die Biologie gilt, dass sich Maskulinisierung auf die Entwicklung einer männlichen Morphologie, wie etwa die Wolffschen Gänge sowie auf männliche Reproduktionsstrukturen bezieht. Feminisierung verweist in der Biologie auf die Entwicklung einer spezifisch weiblichen Morphologie, wie die Müllerschen Gänge und weibliche Reproduktionsstrukturen. Damit ein reproduktionsfähiges weibliches Individuum entsteht, ist sowohl Feminisierung wie auch Demaskulinisierung notwendig; dies gilt umgekehrt auch für männliche Individuen (Uhlenhaut et al., 2009)

Literatur

Faulkner, Wendy (2009). Doing Gender in Engineering Workplace Cultures: Part II—Gender In/Authenticity and the In/Visibility Paradox. Engineering Studies, 1 (3), 169–189.

Uhlenhaut, N., Henriette, Jakob, Susanne, Anlag, Katrin, Eisenberger, Tobias, Sekido, Ryohei, Kress, Jana, Treier, Anna-Corinna, Klugmann, Claudia, Klasen, Christian, Holter, Nadine I., Riethmacher, Dieter, Schütz, Günther, Cooney, Austin J., Lovell-Badge, Robin und Treier, Mathias (2009). Somatic Sex Reprogramming of Adult Ovaries to Testes by FOXL2 Ablation. Cell, 139 (6), 1130–1142.