Geschlecht und Innovation
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Zusammenspiel von Sex und Gender

„Sex“ und „Gender“, das heißt, die biologische und die soziale Dimension von Geschlecht werden zwar analytisch unterschieden, funktionieren aber nicht unabhängig voneinander. Sie wirken auf entscheidende und vielfältige Weise zusammen. Ein wahrgenommener Unterschied zwischen Männern und Frauen bezieht sich selten allein auf das biologische, sondern umfasst zumeist auch das soziale Geschlecht; und das soziale Geschlecht funktioniert nur sehr selten jenseits des biologischen Geschlechts. Die genaue Art und Weise ihres Zusammenspiels variiert in Abhängigkeit von der Forschungsfrage.

1. Das biologische Geschlecht beeinflusst das soziale Geschlecht.

Beispiel (Technikwissenschaften): Das biologische Geschlecht kann sich auf Unterschiede bei den Bildungsraten von Burschen und Mädchen auswirken. So kann etwa das Fehlen einer guten Wasserinfrastruktur Mädchen von einem Schulbesuch abhalten. Die Menstruation erhöht bei Mädchen den Bedarf an sauberen Latrinen und Privatsphäre in der Schule. In Uganda beispielsweise steigt in Übereinstimmung mit der Menarche die Schulabbruchquote von Mädchen im Alter von 12 bis 13 Jahren dramatisch an (vgl. Fallstudie: Wasserinfrastruktur/Water Infrastructure).

2. Sozial geschlechtsspezifisches Verhalten wirkt sich auf Geschlechterdifferenzen in der Biologie aus.

Beispiel (Medizin): Bei der Bestimmung des Osteoporoserisikos wirken Geschlechterrollen und biologisches Geschlecht zusammen. Biologische Geschlechterdifferenzen in Zusammenhang mit dem Auftreten von Osteoporose, die lange dem biologischen Geschlecht zugeschrieben wurden, sind zum Teil ein Resultat geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen, die sich auf Ernährung, Sonnenexposition und Hanteltraining auswirken (vgl. Fallstudie: Osteoporoseforschung an Männern/Osteoporosis Osteoporosis Research in Men).