Geschlecht und Innovation
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Warum geschlechterreflexive Innovationen?

Dreißig Jahre Forschung haben deutlich gemacht, dass auf biologischem und sozialem Geschlecht (Sex und Gender) basierende Verzerrungen gesellschaftlichen Schaden und hohe Kosten verursachen können. So wurden zum Beispiel während der Jahre 1997 bis 2000 in den USA zehn Medikamente wegen lebensbedrohlicher Gesundheitsrisiken vom Markt genommen: acht davon verursachten bei Frauen weitaus mehr Nebenwirkungen als bei Männern und vier dieser Medikamente führten häufiger zu Nebenwirkungen bei Frauen als bei Männern (U.S. GAO, 2001). Es ist von entscheidender Bedeutung, auf dem Geschlecht basierende Verzerrungen nicht nur zu identifizieren, sondern auch ihre Auswirkungen in Naturwissenschaft und Technik zu verstehen. Doch die Analyse kann dabei nicht innehalten: Eine prospektive Analyse des biologischen und sozialen Geschlechts kann als weiterführende Ressource dienen und ein Ansporn für neues Wissen und neue Technologien sein. Analysen des biologischen und sozialen Geschlechts fungieren von Anfang an als „Kontrollen“ (oder als Filter von Verzerrungen), um die Exzellenz der Forschung, der Maßnahmen und Verfahrensweisen sowie der Praxis von Wissenschaft, Gesundheit + Medizin und Technik zu gewährleisten.

 Geschlechterreflexive Innovationen

Das Projekt Gendered Innovations liefert differenzierte Methoden zur Analyse des biologischen und sozialen Geschlechts. Damit soll die Schaffung einer Naturwissenschaft und Technik anregt werden, die einen verantwortlichen Umgang mit Geschlecht haben, was zur Verbesserung der Lebensqualität von Frauen und Männern weltweit führt. Für einen Artikel zu den Hintergründen des Projekts, vgl. Interdisciplinary Approaches to Achieving Gendered Innovations in Science, Medicine, and Engineering.

Ziel des Projekts Gendered Innovations

Das Projekt Gendered Innovations hat zum Ziel, WissenschaftlerInnen und TechnikerInnen geeignete Methoden zur Analyse des biologischen sowie des sozialen Geschlechts an die Hand zu geben. Um dem globalen Aktionsradius von Naturwissenschaft und Technik gerecht zu werden, erfolgte die Methodenentwicklung zur Analyse des biologischen und sozialen Geschlechts, den Empfehlungen des 2010er genSET Consensus Reports sowie der im März 2011 verabschiedeten Resolution der Vereinten Nationen zu Wissenschaft, Medizin und Technologie folgend, im Rahmen internationaler Kollaborationen.

 Projekthintergrund

Das aktuelle Projekt Gendered Innovations wurde im Juli 2009 an der Stanford University initiiert. Im Januar 2011 setzte die Europäische Kommission für zwei Jahre eine ExpertInnengruppe zu „Innovation through Gender“ ein, um die  Geschlechterdimension in der EU-europäischen Forschung und Innovation zu entwickeln. Neben aus den USA beigezogenen ExpertInnen sind derzeit ExpertInnen aus den 27 EU-Mitgliedsstaaten an diesem Projekt beteiligt (vgl. Mitwirkende).

Die Analyse von Sex und Gender, das heißt die Analyse des biologischen und des sozialen Geschlechts, führt zu geschlechterreflexiven Innovationen

Fallstudien