Geschlecht und Innovation
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Überschneidungen zwischen Sex, Gender und weiteren Faktoren analysieren

Während Analysen des biologischen und sozialen Geschlechts wichtig sind (vgl. Sex analysieren, Annahmen hinsichtlich Gender analysieren), muss auch untersucht werden, auf welche Weise sich andere Faktoren mit dem biologischen und sozialen Geschlecht überschneiden ( Hankivsky et al., 2008). Bei diesen Faktoren bzw. Variablen kann es sich um biologische, soziale, psychologische etc. Aspekte von AnwenderInnen, KundInnen, Versuchspersonen oder Zellen handeln. Diese Faktoren beinhalten, sind aber nicht beschränkt auf:

  • Genetik
  • Alter
  • Sexualhormone
  • Reproduktionsstatus
  • Körperzusammensetzung
  • Komorbiditäten
  • Körpergröße
  • Körperliche und geistige Befähigungen
  • Ethnisierung
  • Nationalität
  • Geografische Verortung
  • Sozioökonomischer Status
  • Bildungshintergrund
  • Sexuelle Orientierung
  • Religion
  • Lebensstil
  • Sprache
  • Familienkonstellation

ForscherInnen können auf folgende Weise untersuchen, wie sich biologisches und/oder soziales Geschlecht mit anderen signifikanten Faktoren überschneiden:

  1. Relevante Faktoren oder Variablen identifizieren. Vor Beginn einer Studie sollten Hypothesen zu relevanten Faktoren aufgestellt werden. Biologisches und/oder soziales Geschlecht sind mit anderen biologischen und sozialen Variablen verwoben, was zu Unterschieden innerhalb und zwischen Gruppen führt (Whittle et al., 2001). Diese Faktoren können Unterschiede bei Subgruppen zwischen Frauen und Männern aufdecken, die verborgen bleiben, wenn jeweils nur das soziale oder das biologische Geschlecht als Variable in Betracht gezogen wird (vgl. Fallstudie: Nutrigenomik/Nutrigenomics). Unterschiede hinsichtlich des sozioökonomischen Status zu erörtern, kann unerwartete Unterschiede zwischen Frauen und Männern offenlegen, die nicht durch das soziale Geschlecht (Gender) oder den sozioökonomischen Status allein erklärbar sind, wie etwa dass der Gesundheitsverlauf von Frauen mit einem hohen sozioökonomischen Status dem von Männern mit einem niedrigen sozioökonomischen Status ähnelt (Sen et al., 2010).
  2. Faktoren oder Variablen definieren. Faktoren müssen von ForscherInnen explizit definiert werden, damit sie potenzielle AnwenderInnen berücksichtigen (vgl. Fallstudie: Öffentlicher Verkehr/Public Transportation), Gesundheitsunterschiede erklären, Verzerrungen in Publikationen reduzieren und verlässliche Meta-Analysen erlauben (Schulz et al., 2006; Rommes et al., 2000).
  3. Überschneidungen zwischen Faktoren oder Variablen identifizieren. Für die Vorhersage bzw. Erklärung von Unterschieden im Gesundheitsverlauf und für die Klärung der Bedürfnisse von AnwenderInnen ist es wichtig zu verstehen, wie sich bestimmte Faktoren mit dem biologischen und/oder sozialen Geschlecht überschneiden (Weber et al., 2007; Faulkner, 2004). Es hat sich beispielsweise herausgestellt, dass das Zusammenwirken von biologischem Geschlecht, Sozioökonomie, geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung und Sprache betrachtet werden muss, um zu bestimmen, in welcher Weise LandarbeiterInnen endokrinen Disruptoren ausgesetzt sind (vgl. Fallstudie: Umweltchemikalien/Environmental Chemicals) und wie biologisches Geschlecht, Geografie und Geschlechterverhältnisse bei der Bestimmung technologischer Bedarfe von Frauen und Männern zusammenspielen (vgl. Fallstudie: HIV-Mikrobizide/HIV Microbicides).

Literatur

Faulkner, Wendy (2004). Strategies of Inclusion: Gender and the Information Society (SIGIS) Report. Edinburgh: University of Edinburgh Press.

Hankivsky, O. und Christoffersen, A. (2008). Intersectionality and the Determinants of Health: A Canadian Perspective. Critical Public Health, 18 (3), 271–283.

Rommes, Els, van Slooten, Irma, van Oost, Ellen und Oudshoon, Nelly (Hg.innen) (2004). Designing Inclusion: The Development of ICT Products to Include Women in Information Society. Enschede: University of Twente.

Schulz, Amy und Mullings, Leith (Hg.innen) (2006). Gender, Race, Class & Health: Intersectional Approaches. San Francisco: Jossey-Bass.

Sen, G., Lyer, A. und Mukherjee, C. (2010). A Methodology to Analyze the Intersections of Social Inequalities in Health. Journal of Human Development and Capabilities, 10 (3), 397–415.

Weber, Lynn und Fore M. Elizabeth (2007). Race, Ethnicity and Health: An Intersectional Approach. In Hernan, Vera, & Feagin, Joe R. (Hg.Innen), Handbook of Sociology and Racial and Ethnic Relations, S. 191–219. New York: Springer Press.

Whittle, K. und Inhorn, M. (2001). Rethinking Difference: A Feminist Reframing of Gender/Race/Class for the Improvement of Women's Health Research. International Journal of Health Services, 31 (1), 147–165.