Geschlecht und Innovation
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Grundsätze maßgeblicher Förderagenturen

Verschiedene internationale, nationale und private Förderorganisationen verlangen die Durchführung einer Analyse von biologischem und sozialem Geschlecht. FörderempfängerInnen müssen sich möglicherweise darüber erklären, welchen Beitrag ihre Projekte leisten zur Förderung: 

  • einer ausgeglichenen Repräsentation von Frauen und Männern in Beschäftigung, Entscheidungsprozessen sowie in klinischen Versuch (Erhöhung der Frauenanteile);
  • der Beseitigung institutioneller Zugangsbarrieren in Zusammenhang mit der Gleichstellung der Geschlechter (Struktureller Wandel in den Institutionen);
  • der Anwendung von Geschlechteranalysen als Ressource, die der Schaffung neuen Wissens und neuer Technologien dient.
Organisation Grundsatz Anteil an Wissenschaftlerinnen erhöhen Grundsatz Struktureller Wandel in den Institutionen Grundsatz Schaffung von Wissen zu biologischem und sozialem Geschlecht Grundsatz Integration von Geschlechteranalysen in die Forschung
Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) Ja Ja Ja Die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) sieht die Berücksichtigung von Gender-Aspekten auf mehreren Ebenen als Beitrag zur Qualitätssicherung in der Forschung und Entwicklung: Es geht darum, die besten Köpfe zu gewinnen - und dazu zählen Frauen ebenso wie Männer. Auch steigt die Qualität von Forschungsergebnissen mit der Diversität der Teams. Die Verwertungschancen von Innovationen wachsen, wenn Gender-Aspekte bereits in der Konzeption adäquat einfließen. Die FFG wendet daher entsprechende Gender-Kriterien in der Bewertung der Förderungsanträge an. Darüber hinaus adressieren spezifische Programme gezielt verschiedene Aspekte von Gender in der Forschung.
Der Österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) Ja Ja Ja Der FWF – der Österreichische Wissenschaftsfonds – stellt in Übereinstimmung mit dem Österreichischen Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BM.W_ fa) in seiner Unternehmenspolitik die Gleichstellung der Geschlechter in der Wissenschaft ebenso wie gleiche Chancen für alle Antragstellerinnen und Antragsteller vor. Die Gender Mainstreaming-Strategie wird über selbstentwickelte Standards zur Gleichstellung der Geschlechter in FWF-Verfahren bei der Forschungsförderung ebenso wie in allen internen Organisationsprozessen des FWF implementiert (FWF 2010).
Europäische Kommission Generaldirektion Forschung und Innovation Ja Ja Ja „Die Teilhabe von Frauen an der Forschung muss gefördert werden […] Gender Mainstremaing beinhaltet folglich auch die Veränderung der Arbeitskultur. Wir müssen einen Schritt weiter und geschlechterreflexive Forschung erzeugen. Dies bedeutet, systematisch danach zu fragen, ob und in welchem Sinne Sex und Gender in den Zielen und in der Methodologie von Projekten Relevanz haben“ (Europäische Kommission, 2003).
Bill und Melinda Gates Stiftung: Förderung landwirtschaftlicher Entwicklung Ja Ja Ja „[…] Repräsentation des Geschlechts allein stellt noch nicht sicher, dass die Prioritäten von Frauen oder Männern Berücksichtigung finden. Damit Geschlecht angemessen Eingang in unsere Arbeit findet, damit es unsere Arbeit durchdringt, gestaltet, schult und unterstützt sind wir bereit, für die notwendige Unterstützung, die erforderlichen Instrumente und Ressourcen Sorge zu tragen. Projekte, die diesen Erwartungen nicht genüge tun, bedürfen weiterer Überlegungen und Unterweisung; sie müssen überarbeitet werden, um Fördermittel zu bekommen bzw. weiter zu erhalten“ (Gates Stiftung, 2008).
Weltgesundheitsorganisation
(WHO)
Ja Ja Ja „[…] in Einklang mit dem langjährigen Bestreben nach Gerechtigkeit in punkto Gesundheit wird die WHO, als eine Frage von Grundsätzen und guter öffentlicher Gesundheitspraxis, geschlechtersensible Überlegungen in alle Aspekte ihrer Arbeit integrieren. Es ist die Politik der Organisation, sicherzustellen, dass alle Forschung, Politiken, Programme und Initiativen mit WHO-Beteiligung sich geschlechterbezogenen Fragestellungen widmen“ (WHO, 2002).
U.S. National Institutes of Health Ja Ja Ja „Rollen und Verantwortlichkeiten des NIH-Personals sowie der außerinstitutionellen Gemeinschaft wurden hinsichtlich des Grundsatzes der NIH zur Einbeziehung von Frauen und Minderheiten als Versuchspersonen in die klinische Forschung auf den neuesten Stand gebracht“ (NIH, 2001).
Canadian Institutes of Health Research
(CIHR)
Ja Ja Ja Das Gesundheitsressorts der Kanadischen Regierung verfolgt den Grundsatz, für die Entwicklung, Implementierung und Evaluierung der Forschung, Programme und Politiken des Gesundheitsressorts auf biologischem und sozialem Geschlecht basierende Analysen (sex and gender-based analysis; SGBA)zu verwenden, damit die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern und Frauen, Jungen und Mädchen berücksichtigt werden“ (Health Canada, 2009).
Deutsche Forschungsgemeinschaft Ja Ja Ja „Eine erfolgreiche Gleichstellungsstrategie führt zu einem erheblichen Mehrwert: Gleichstellung wirkt sich auf die Qualität der Forschung aus, da Talente aus einer größeren Grundgesamtheit geschöpft werden können, eine Vielfalt von Forschungs-perspektiven gefördert wird (Diversity) und die blinden Flecken zur Bedeutung von Gender in den Forschungsinhalten und –Methoden beseitigt werden können. Die Berücksichtigung von relevanten Gender- und Diversity-Aspekten ist insofern ein wesentliches Element qualitativ hochwertiger Forschung“ (Deutsche Forschungsgemeinschaft, 2008).
Norwegischer Forschungsbeirat (Norges forskningsråd) Ja Ja Ja „Der Forschungsbeirat hält es für wesentlich, dass geschlechter-bezogene Perspektiven in Forschungsprojekten, in denen diese relevant sind, in adäquater Weise berücksichtigt werden. Gute Forschung muss biologische und soziale Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Betracht ziehen und die Geschlechterdimension sollte einer der wichtigsten Eckpfeiler bei der Entwicklung neuer Forschung sein. In Forschungsprojekten kann sich dies in den aufgeworfenen Forschungsfragen, den gewählten theoretischen Zugängen, den angewendeten Methoden sowie in den Bemühungen zur Bewertung der jeweiligen Auswirkungen der Forschungsergebnisse auf Frauen und Männer manifestieren“ (Research Council of Norway, 2010).
Spanisches Ministerium für Wissenschaft und Innovation (Ministerio de Ciencia e Innovación) Ja Ja Ja „Die spanische Innovationsstrategie wie auch der Nationale Plan für Forschung und technologische Entwicklung unterstreichen die Bedeutung von Geschlecht als Analysekategorie, damit dessen Relevanz in allen Aspekten des Prozesses Berücksichtigung findet: in der Definition wissenschaftlicher und technologischer Forschungsprioritäten, in der Definition von Forschungsproblemen sowie im theoretischen Rahmenwerk und den Erklärungen, in den Methoden, der Sammlung und Interpretation von Daten sowie in den Erkenntnissen“ (Gobierno de España, Ministerio de la Presidencia, 2011).
U.S. National Science Foundation
(NSF)
Ja Ja Nein Derzeit sind keine diesbezüglichen Grundsätze bekannt.

 Literatur

Deutsche Forschungsgemeinschaft. (2008). Forschungsorientierte Gleichstellungsstandards. In Kraft seit August 2008.

Europäische Kommission. (2003). Europäische Kommission, Vademekum der Generaldirektion Forschung, Technologie und Entwicklung. In Kraft seit März 2003.

Gates Foundation. (2008). Bill and Melinda Gates Foundation Gender Impact Strategy hyperlink. In Kraft seit Juni 2008.

Gobierno de España Ministerio de la Presidencia. (2011). Disposiciones generales. Boletín Oficial del Estado 131 (1), 54387–54455.

Health Canada. (2009). Health Canada Health Portfolio Sex and Gender-Based Analysis Policy. In Kraft seit April 2009.

NIH. (2001). Amendment to NIH Policy and Guidelines to the Inclusion of Women and Minorities as Subjects in Clinical Research. In Kraft seit Oktober 2001.

Research Council of Norway. (2001). General Application Requirements – The Research Council of Norway. September 2001. 

WHO. (2002). WHO Gender Policy. In Kraft seit Mai 2001.